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Christian Rank

Föderalismus und Republikkritik

Bayerische Volkspartei, Politik der Eigenstaatlichkeit und der Umgang mit der Weimarer Demokratie in der Ära Held (1924–1933)
Regensburger Beiträge zur Regionalgeschichte, Band 21

ISBN 978-3-939112-95-2
118 Seiten, Format 16,5 x 24 cm, kart.
€ 18,00

Den „bayerischen Föderalismus“ kennzeichnet eine eigenartige Kombination: Weltanschauliche und religiöse Motive, philosophisch-prinzipielle Denkweisen, geschichtliche und gefühlsmäßige Erfahrungen verbinden sich und machen aus der föderalistischen Politik Bayerns eine Art „Glaubenssache“ des Volkes. Dabei scheint die grundlegende Maxime des Föderalismus zunächst auch auf Bayern zuzutreffen. Durch die Verwirklichung des vorrangigen Zieles, der Sicherung des Wohles Bayerns, soll zugleich auch das Wohl des größeren Ganzen, der Republik, sichergestellt werden. Der Bayerischen Volkspartei unter ihrem Ministerpräsidenten Heinrich Held (1924–1933) scheint dieser Spagat während der Weimarer Republik zu gelingen. Doch birgt diese in der gängigen Forschungsmeinung für Stabilität im Reich sorgende bayerisch–föderalistische Politik auch Gefahren und Probleme. Ausmaß und Folgen eines zu weltanschaulich und zugleich zu engstirnig eigenstaatlich betriebenen Föderalismus aus Bayern lassen sich an der folgenschweren Reichspräsidentenwahl 1925, den parteipolitischen Konfrontationen im Zuge des Young-Planes 1929-30 sowie der notwendigen Reichsreform erkennen. Was bleibt, ist ein föderalistisches Verständnisdilemma: ein im Inneren überzogen betriebener und im Äußeren falsch verstandener bayerischer Föderalismus, der aus diesem Grunde destabilisierendes Potential für die Weimarer Republik bereithielt.